Durch die Augen eines Kindes...

Lisa Hess | Donnerstag, 18. Juni 2015
Titel: Der Junge im gestreiften Pyjama
Autor: John Boyne
Verlag: Fischer
Erschienen am 6. Februar 2009
272 Seiten
7,95 € [D]
ISBN: 978-3-596-80683-6

Klappentext: Die Geschichte von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch - so glauben wir - ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun. Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt.

Cover: Schlicht, aber sehr passend.

Meine Meinung: Ich musste dieses Buch für die Schule lesen, aber im Gegensatz zu allen anderen Schullektüren war "Der Junge im gestreiften Pyjama" richtig gut.
Der Klappentext verrät ja nicht sehr viel über den Inhalt, also erzähle ich euch mal kurz, worum es geht:
Das Buch spielt in der Zeit des zweiten Weltkrieges. Bruno, der neunjährige Sohn eines SS-Offiziers, muss mit seiner Familie von Berlin nach Auschwitz (im Buch: "Aus-Wisch") ziehen, weil sein Vater befördert wurde. Zuerst langweilt er sich ohne seine Freunde und auch seine ältere Schwester Gretel ist ihm keine große Hilfe, sondern ein "hoffnungsloser Fall". Doch dann sieht er durch sein Fenster viele Menschen in "gestreiften Pyjamas", die hinter dem Zaun hinter dem Wohnhaus der Familie leben. Bei einem Spaziergang am Zaun lernt er Schmuel kennen, den "Jungen im gestreiften Pyjama". Die beiden freunden sich an, doch dann schlägt das Schicksal zu...
Die Sprache ist (passend zum Alter des Protagonisten) kindlich und ohne Gewaltbegriffe.
Bruno versteht viele Worte falsch und begreift nicht, was um ihn herum passiert. Ihm fallen zwar Unterschiede in der Behandlung von Menschen und Ungerechtigkeiten auf, er ist aber zu naiv, um das Ganze zu begreifen. Der Neunjährige stellt zwar die richtigen Fragen, beantwortet sie sich aber so, dass sein Vater, ein Täter, und seine Familie unangetastet bleiben. Manchmal fragt man sich, ob er das Geschehen um sich herum bewusst ausblendet oder es tatsächlich nicht begreift, weil er noch ein Kind ist.
Schmuel ist ebenfalls 9 Jahre alt, Jude und wirkt im Gegensatz zu Bruno viel erwachsener und reifer. Er berichtet nur in Andeutungen, was im Lager passiert und ich hatte ein bisschen den Eindruck, dass er Bruno nicht alles erzählt, damit dieser sich keine Sorgen macht.
Darüber, ob das Buch realistisch ist, lässt sich streiten, aber es trägt ja den Untertitel "Eine Fabel" und hat daher gar nicht den Anspruch, vollkommen der Wahrheit zu entsprechen. Es geht mehr um die symbolische Bedeutung und die ist hier ganz deutlich: Egal ob Deutscher oder Jude, die damalige Zeit war für alle Menschen grausam, erst recht für die Kinder...

Fazit: "Der Junge im gestreiften Pyjama" ist ein berührendes Buch, dass jeder, egal ob Jugendlicher oder Erwachsener, gelesen haben sollte. Auch der Film ist übrigens sehr sehenswert und fast noch besser als das Buch!
5 von 5 Sternen!


(Text-, Cover und Zitatrechte: Fischer Verlag)



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